LOL ! Danke danke... Das wäre schön

Hallo Becker144,
vor allem in Kombination mit anderen Krankheiten / Symptomen, wie z.B. Depressionen oder auch solchen Dingen wie Bandscheibenvorfällen u.ä. ist eine Ferndiagnose natürlich extrem schwierig. Ich kann da nur meine Meinung zum Besten geben und ein paar Vermutungen anstellen. Da ja jeder Körper anders ist und auf Medikamente unterschiedlich reagiert und ich die Ausmaße Deiner Angststörung nicht kenne, kann es natürlich an mehreren Dingen liegen.
Während man oft Zitate lesen kann, die besagen, dass 80% aller Erektionsstörungen körperliche Ursachen haben und nur 20% der Ursachen in der Psyche zu suchen sind, würde ich fast schon so weit gehen, diese Zahlen genau herumzudrehen, zumindest aber doch ein gehöriges Stück zu verschieben.
Trotzdem sollte man aber die körperlichen Ursachen erst mal ausgeschlossen haben, bevor man sich um die Psyche kümmert. Zu viele Ärzte verschreiben sofort Viagra, wenn sie das Wort "Erektionsstörungen" hören, ohne wenigstens mal grundlegende Dinge wie das Herz zu testen und mal nach einer möglichen Diabetes zu schauen. Auch ein zu schneller Rückfluss des Bluts durch die Venen kann schuld sein. Hast Du denn mal Deinen Hausarzt darauf angesprochen oder warst Du deswegen schonmal bei einem Urologen ?
Deine Beschreibung klingt natürlich auf den ersten Blick eher nach einer psychischen Ursache. Wobei nicht unbedingt klar ist, ob jetzt die Angststörung selbst oder die Medikamente dagegen die Ursache sind. Wenn Du mal auf die zeitliche Entwicklung Deiner Erektionsstörungen zurückschaust, kannst Du das vielleicht für Dich selbst beantworten.
Es hat mich ein bisschen gewundert, dass Du Sertralin bekommen hast und nicht Paroxetin. Beides sind SSRI Antidepressiva, aber Zweites wird speziell bei Angststörungen gerne verschrieben. So sehr unterscheiden sie sich aber von der Wirkungsweise nicht, also keine Sorge. Sertralin ist ein ziemlich modernes Mittel mit relativ wenigen Nebenwirkungen im Vergleich zu älteren Medikamenten, also an sich keine schlechte Wahl. Eine Einnahme über mehrere Jahre ist natürlich schon eine lange Zeit, und es ist tatsächlich so, dass es in vielen Fällen zu Erektionsstörungen kommt. Wenn Antidepressiva dafür verantwortlich sind, kann man aber sehr oft auch einen gedämpften Orgasmus feststellen, sprich: der Orgasmus fühlt sich ziemlich stumpf und nicht so intensiv an wie vor der Medikation. Hast Du da Veränderungen festgestellt ?
Leidest Du momentan immer noch an Angststörungen ? Wie lange sollst Du denn das Sertralin noch nehmen ?
Du hast geschrieben, dass Dein vegetatives Nervensystem stark auf neue Gegebenheiten reagiert, sprich: Du bist leicht ängstlich und gestresst, und bekommst in unangenehmen Situationen wahrscheinlich auch schnell Bauchschmerzen ?
Da ist es natürlich kein Wunder, dass der Besuch eines Swingerclubs erst mal kontraproduktiv und verkrampfend wirkt. Statt lockerer Atmosphäre suchen einen dann Gedanken heim wie "Jetzt bin ich schon mal hier, jetzt sollte es auch zum Sex kommen.", "Ob es diesmal mit der Erektion klappt ?", "Bin ich eventuell wirklich impotent, wenn es auch hier nicht klappt ?", usw.
Ich denke schon, dass eine lockere, entspannte Atmosphäre dazu beitragen kann, Dein Problem in den Griff zu bekommen. Aber gerade neue oder unbekannte Partner verursachen oft überdurchschnittlichen Stress, weil man ja dann auch nicht wie ein Schlappschwanz dastehen will und sich dann selbst unter Druck setzt. Wenn Du die Leute da kennst, Du sie erotisch findest, vertrauen zu ihnen hast, Du nicht glaubst, dass es unbedingt zum Sex kommen muss, nur weil Du dort bist, und Du weißt, dass es Dir niemand übel nimmt, wenn es nicht funktioniert, dann kann das durchaus funktionieren. Ein Gläschen Sekt zum locker werden schadet auch nicht. Ein verständnisvoller Partner, der nicht gleich enttäuscht ist oder Dich unter Druck setzt wäre die beste Lösung. Bei einem One-night-stand ist die Situation aber eben oft eine andere.
Deine Erektionsstörung kann durchaus durch eine Kombination vieler Ursachen verursacht worden sein. Einfaches fiktives Szenario wie ich es mir vorstellen könnte: Über längere Zeit hast Du Dich in einer unangenehmen Situation befunden, wie z.B. auf der Arbeit mit einem miesen Chef oder mobbenden Kollegen oder ähnlichem. Dein vegetatives Nervensystem hat sich dann auch dementsprechend relativ häufig zu Wort gemeldet. Du hast Dich oft schnell gestresst gefühlt, hattest oft Bauchschmerzen, eventuell Schlafstörungen und hast nachts plötzlich angefangen stark zu schwitzen. Schon das ist für die Sexualfunktion Gift. Aber dann ging es weiter... Du hast angefangen, depressive Symptome zu spüren, wurdest lustloser als Du es gewohnt warst, hast Dich nicht mehr so oft bei Freunden gemeldet und Dich zurückgezogen. Daraufhin wurden die depressiven Symptome aber noch stärker. Auch hier wieder Gift für eine gesunde Erektion.
Du hast plötzlich angefangen, Vermeidungsverhalten zu zeigen. Wenn das Telefon geklingelt hat, hast Du nicht mehr gerne abgehoben. Vielleicht hast Du sogar zu Hause das Telefon aus der Wand gestöpselt, weil Du nicht gestört werden wolltest. Ungenehmen Situationen bist Du immer mehr aus dem Weg gegangen. Unmerklich bist Du dann langsam auch immer mehr Situationen aus dem Weg gegangen, von denen Du nur ERWARTET hast, dass sie unangenehm werden könnten. Du bist anderen Menschen aus dem Weg gegangen und hast angefangen, große Plätze mit vielen Menschen zu meiden, weil es Dir unangenehm war und Du plötzlich immer mehr die Sorge hattest dass etwas unangenehmes passieren könnte. Dir wurde öfter schwindelig, und Du hattest das Gefühl, dass Dir Deine Umgebung manchmal irgendwie fremd vorkommt und Du manchmal irgendwie neben Dir stehst und nicht mehr die volle Kontrolle über Dich hast. Manchmal hast Du angefangen zu zittern, und Du hast schlecht Luft bekommen. Besonders unangenehm wäre es natürlich, wenn so etwas mitten auf der Autobahn oder in der Schlange an einer Supermarktkasse passieren würde. Also wieder ein paar Situationen, die es zu vermeiden galt.
Jetzt wären wir also bei der Angststörung, die sich förmlich schleichend entwickelt hat. Auch diese ist wieder Gift für das Sexualleben.
Also nochmal: Das war jetzt einfach mal ein fiktiver Fall. Es kann sein, dass es bei Dir ganz anders war. Aber das wäre eine ganz typische Entwicklung, und ich habe das nur mal beschrieben, um Dir klarzumachen, wie viel bis zu einer ausgeprägten Angststörung im Vorfeld schon schiefgelaufen sein muss, was alles einen negativen Einfluss auf das Sexualleben hat.
Nun hast Du dann schließlich Antidepressiva bekommen, die ebenfalls dafür bekannt sind, Erektionsstörungen auszulösen. Also noch ein weiterer Faktor.
Was davon nun alles wirklich verantwortlich ist, ist kaum auseinanderzufriemeln. Sicher ist aber, dass es auf den typischen Teufelskreis aus Versagen und Versagensangst hinauslaufen kann, der dann auch wieder Depressionen verstärken kann. Erstes Ziel sollte also sein, erst mal die Erektionsfähigkeit wieder "irgendwie" herzustellen. Leidest Du denn momentan stark darunter oder kommst Du mit der momentanen Situation ganz gut klar ?
Beckenbodentraining kann die Durchblutung anregen und somit eventuell zu einer besseren Erektion beitragen. Versuchen könntest Du das natürlich mal, aber sollten für die Erektionsstörung tatsächlich komplexere psychische Gründe verantwortlich sein, halte ich die Wirksamkeit eher für eingeschränkt.
Mittel der Wahl ist zuerst einmal wie gesagt Entspannung. Mache Dir keinen Druck und versuche mal, eine Weile weniger zu onanieren. Das kann die Erektion ebenfalls verbessern. Ein Schluck Alkohol zum Lockerwerden ist ebenfalls erlaubt. Ansonsten halte ich aber Viagra und Cialis wirklich für ein geeignetes Mittel, diesen sich bildenden Teufelskreis zu durchbrechen. Wenn Du damit feststellst, dass es doch wieder gut klappt und Du Dir keinen Kopf mehr darum machen musst, genügt es nach einer Weile oft schon, wenn man weiß eine Viagra oder Cialis zur Not griffbereit zu haben. Ein wichtiger Punkt ist natürlich, wie gut Du inzwischen Depression oder Angststörung im Griff hast. Auch so etwas kann man heilen, sodaß Du, sobald Du wieder mit Dir und Deiner Umwelt im Reinen bist, eigentlich auch irgendwann mal wieder ganz ohne Antidepressiva auskommen können müsstest.
Ich hoffe, das hilft Dir irgendwie ein wenig, und dass mein langer Aufsatz Dich nicht gelangweilt hat

Was herausgekommen sein sollte ist, dass die Situation inzwischen schon zu komplex ist um eindeutig eine alleinige Ursache festzustellen oder herauszufinden, was nun Ursache und was Wirkung ist. Geh am besten wirklich mal zu einem Urologen, damit man jeden Zweifel über eine körperliche Ursache ausschließen kann. Dann wird er Dir sicher problemlos Viagra oder Cialis verschreiben, wenn Du willst, und dann heißt es damit erst mal, die psychische Blockade zu durchbrechen. Das kann dann auch Deine psychische Situation verbessern, so dass Du Dich dann vielleicht schon wieder viel wohler fühlst und hoffentlich bald auf die Antidepressiva verzichten kannst. Du solltest auf jeden Fall das Ziel im Auge behalten, die irgendwann auch wieder abzusetzen und nicht, dass Du die nun für den Rest Deines Lebens nehmen musst. Wenn es sonst noch äußere Umstände gibt, die für Deine Situation mit verantwortlich sein könnten, dann müsstest Du im Anschluss versuchen, daran etwas zu ändern, sei es ein neuer Job, eine neue Freundin, ein neues Hobby oder was auch immer nötig ist.
Lass mal hören, wie es so bei Dir weitergeht.
Liebe Grüße,
Leseratte