Hallo Becker,
ich hoffe, die späte Antwort erreicht Dich noch.
Ich habe auch schon einige Erfahrungen mit Antidepressiva sammeln "dürfen", und wundere mich immer wieder darüber, dass viele Ärzte darauf bestehen, diese Medikamente würden nicht abhängig machen. Es ist doch völlig selbstverständlich, dass sich beim Absetzen des Medikaments der Level der Glückshormone im Gehirn absenkt und somit sehr oft Entzugssymptome auslösen kann. Sehr weit verbreitet sind starkes Schwitzen, Zittern, Übelkeit und sogenannte ZAPs. Im letzteren Fall fühlt man sich oft so, als würde man von einem Blitz getroffen. Es fühlt sich an, wie ein plötzlicher Schock, und man hat das Gefühl, für den Bruchteil einer Sekunde ohnmächtig zu werden. Mit welchen Entzugssymptomen Du zu kämpfen hast, hast Du ja leider nicht geschrieben. Zuerst möchte ich Dir also mal folgenden Link ans Herz legen:
www.adfd.org. Dort findest Du viele Menschen mit ähnlichen Problemen, die Dir vielleicht in Bezug auf Antidepressiva speziell noch etwas besser helfen können als wir hier. Dort wird über die Nebenwirkungen und Entzugssymptome sämtlicher Antidepressiva angeregt diskutiert.
Erektionsstörungen sind übrigens eine sehr häufige Nebenwirkung von Antidepressiva. Ich weiß ja nicht, warum Du ADs nimmst. Wenn sie notwendig sind, ist eine Medikation mit Viagra oder Cialis sicher eine Alternative. Allerdings schreibst Du ja, dass Du das Gladem in Absprache mit Deinem Arzt bereits einmal weglassen wolltest. Also scheint einem Absetzen ja nichts im Wege zu stehen. Ich finde es ein wenig schade, dass Dein Arzt Dich dabei nicht besser unterstützt, sondern Dir einfach sagt, dass Du das Medikament weiternehmen sollst, wenn Du mit dem sofortigen Absetzen nicht klar kommst.
25 mg ist immer noch eine ansehnliche Dosis, wenn es darum geht, das Medikament abzusetzen. Wenn diese 25 mg vom einen auf den anderen Moment fehlen, macht das für das Gehirn einen riesigen Unterschied. Also müsstest Du versuchen, die Dosis langsamer zu verringern. Gladem gibt es ja nur als 100 mg und 50 mg Filmtabletten. Ich kenne zwar den Wirkstoff, hatte die Gladem selbst aber nicht gehabt, weiß also nicht, wie groß sie sind und inwieweit man sie problemlos teilen kann. Mit einem Tablettenteiler aus der Apotheke für wenige Euro, könnte es machbar sein, die 50 mg Tabletten zu Vierteln, wenn sie nicht gar zu klein sind oder eine zu ungünstige Form haben. Dann könntest Du es mal mit einer Dosis von 12,5 mg täglich probieren.
Eventuell bietet es sich auch an, das Medikament zu wechseln, auf eines, das besser herunterzudosieren ist. Ich nahm mal Cymbalta. Das ist ebenfalls ein SSRI, sogar ein relativ neues. Mein Arzt verschrieb es mir mit den Worten "Nehmen Sie das einfach mal. Das macht auch nicht abhängig." Ich wünschte, ich hätte die Seite, deren Link ich Dir oben gegeben habe, schon zu diesem Zeitpunkt gekannt. Als ich die Nebenwirkungen nach einem halben Jahr auch leid war und ich mich kein bisschen depressiv gefühlt hatte, ließ ich die Kapseln einfach mal weg. Nach einem Tag dachte ich, es geht zu Ende mit mir. Ich schwitzte, zitterte, hatte ZAPs ohne Ende, vor allem dann, wenn ich mich bewegte oder plötzlich ein Geräusch hörte, usw. So elend ging es mir noch nie. Ich nahm dann wieder eine Kapsel Cymbalta, und nach 2 Stunden war alles wieder völlig normal. Soviel zu "Es macht nicht abhängig".
Wie gesagt gibt es das Cymbalta auch als Kapseln mit kleinen Kügelchen darin. Erst nahm ich die 60mg Kapseln, dann die 30mg Kapseln. Niedriger dosiert gab es aber auch diese nicht. Wenn ich dann die 30mg Kapseln einfach weggelassen habe, ging es mir so, wie gerade beschrieben. Als ich meinen Arzt darauf ansprach, sagte er nur, dass das nicht sein könne, da ADs nicht abhängig machten. Ich wusste also, dass ich da auf mich alleine gestellt war. Außerdem hat obiges Forum geholfen, mir die Augen zu öffnen.
Ich habe dann die Kapsel geöffnet, die Hälfte der Kügelchen ausgeschüttet, die Kapselhälften wieder zusammengedrückt und sie dann geschluckt. Wenn es mir nach einigen Stunden schlechter ging, habe ich das einfach nochmal wiederholt und ein paar wenige Kügelchen zusätzlich genommen. Das führte ich so über 3 Monate fort und senkte langsam die Anzahl der Kügelchen immer weiter. Ich nahm dann nur noch etwas davon, wenn ich merkte, dass es mir langsam schlechter ging und wieder leichte Entzugssymptome kamen. Mit der Zeit konnte ich dann 3 Tage wunderbar ohne dieses Medikament auskommen. Fühlte ich mich dann wieder schlechter, nahm ich einfach wieder eine Kapsel mit wenigen Kügelchen, und ich fühlte mich die nächsten paar Tage wieder OK.
Ein bisschen müßig war der Weg schon, und es hat länger gedauert, als ich dachte. Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem ich mich fragte, wo eigentlich die Entzugssymptome bleiben. Sie kamen nicht mehr, und ich konnte diese Kapseln endlich wegwerfen. Vielleicht könnte das auch ein Weg für Dich sein. Oder vielleicht funktioniert es bei Dir ja noch viel einfacher.
Wenn Dein Arzt Dir Viagra oder Cialis verschreibt, spricht nichts dagegen, damit die Zeit zu überbrücken, bis Du das Gladem völlig abgesetzt hast, aber wenn Du das nicht unbedingt nehmen musst, sollte Dein Ziel sein, langsam davon runterzukommen.
Liebe Grüße,
Leseratte