Hallo Tariosk,
kann Deine Probleme in großen Teilen sehr gut nachvollziehen, da ich auch ähnlich gelagerte Sorgen und Nöte habe wie Du. Allerdings bin etwa 10 Jahre älter als Du. Pornos schaue ich noch nicht so lange, da ich erst seit knapp 4 Jahren eine schnelle Internet-Verbindung habe.
Vor vier Jahren ging die Beziehung mit einer Ex zu Bruch, mit welcher ich 7 Jahre zusammen war. Sie war meine Traumfrau. Von heute auf morgen hat sie mit mir Schluss gemacht, ohne dass ich etwas voraussahnen konnte, weil unsere Beziehung abgesehen von normalen Streitigkeiten eigentlich ganz gut lief. Leider hat Sie hat sie was mit nem Arbeitskollegen von mir angefangen!

Zusammen mit diesem Schock und dieser unerträglichen Leere, welche ich die darauffolgenden Monate verspürt habe, kam dann leider Gottes die schnelle DSL-Verbindung, eine eigene kleine Single-Wohnung und damit auch die Möglichkeit, Porno-Videos anzuschauen.
Dieses Porno-Schauen hat sich bei mir dann regelrecht zur Sucht entwickelt. Zwar hab ich vermutlich nicht so extrem perverse Sachen wie Du geschaut, aber von der Quantiät her doch ziemlich viel. Es wurde für mich zur Normaliät, mich nach einem stressigen Arbeitstag vor den Computer zu setzten und dann mindestens einmal, meist zweimal, manchmal auch 3 oder 4 mal zu onanieren, einfach nur so zur Entspannung. Und am Wochenende dann bis zu teilweise 5 Mal.
Mit der Zeit wurde mein Penis dann auch nicht mehr richtig steif, selbst beim Orgasmus. Und richtig viel gefühlt habe ich beim Orgasmus auch nicht mehr. Es war nur noch ein automatischer mechanischer Ablauf.
Erst durch eine Internet-Recherche bin ich darauf aufmerksam geworden, dass diese unglaubliche Abstumpfung durch das Porno-Schauen ein Grund hierfür gewesen sein könnte.
Und der Körper gewöhnt sich wirklich sehr schnell an die harten und schnellen Griffe, welche man beim Wichsen anwendet.
Hab mir dann ziemlich große Ziele gesteckt: Mit dem Rauchen aufhören und mindestens 3 Wochen lang keine Pornos und keine Selbstbefriedigung mehr.
Das Problem war, dass ich durch das Stecken dieser hohen Ziele ständig an diese Thematik denken musste und dann natürlich auch rückfällig geworden bin, was mich in der Folge dann noch depressiver machte und zu mehr und mehr Selbstvorwürfen führte.
Genau wie Du bin ich eigentlich auch nicht hässlich oder dumm, weswegen ich mehr als genug Möglichkeiten hätte, mit einer Frau zu schlafen. Um mir die Peinlichkeiten im Bett aber zu ersparen, blocke ich bei Frauen immer rechtzeitig ab, obwohl ich sie teilweise extrem anziehend und erregend finde.
Meine Kumpels schütteln deshalb teilweise nur noch den Kopf über mich und können nicht nachvollziehen, warum ich mit diesen Frauen nicht ins Bett steige. Jedenfalls kann ich es soooo gut nachvollziehen, wie frustrierend es ist, wenn man mit einer Frau, die man wirklich hübsch findet und mag, schlafen kann, dies aber nicht auf die Reihe bekommt.
Jedenfalls habe ich jetzt damit aufgehört, mir derart hohe Ziele zu stecken. Ich freue mich schon, wenn ich einen Tag ohne Pornos und Masturbation durchkomme und durch die entspannte Haltung werden manchmal sogar 2 oder 3 Tage draus. Dann kommen wieder Tage wo ich wieder mehrmals am Tag ornaniere und Pornos schaue, worauf wieder ein Tag ohne folgt.
Des Weiteren versuche ich, bei der Selbstbefriedigung nur ganz allmählich und immer nur in minimalen Schritten, die Härte und die Frequenz, mit welcher ich meinen Penis anfasse, leicht zu reduzieren, was mir zugegebenermaßen nicht immer gelingt. Und zudem versuche ich so oft wie möglich Gleitgel beim Wichsen zu verwenden, weil das die Reibung und damit die Abstumpfung am Penis auch lindert.
Und obwohl ich das Porno-Schauen und die Häufigkeit der Selbstbefriedigung bislang erst zu einem kleinen Anteil verringert habe, merke ich dennoch schon erwähnenswerte Fortschritte. Zwar bin ich immer noch weit davon entfernt, mit einer Frau den Geschlechtsakt auszuüben, aber immerhin hat mein Penis schon wieder deutlich an Standfestigkeit zugenommen und auch die Qualität des Orgasmuses hat sich deutlich verbessert.
Ich muss den Penis immer noch viel zu Hart anfassen und zu schnell daran rütteln, als das diese Stimulation durch die Vagina einer Frau verursacht werden könnte, aber dennoch - im Vergleich zu vor einem halben Jahr hat sich das Verhalten meines Penises trotz dieser nur kleinen Einschränkungen schon um mindestens 100 Prozent verbessert! Dies lässt mich hoffen, dass ich in einiger Zeit auch wieder breit sein könnte für normalen Sex, wenn ich die Geduld nicht verliere.
Und diese Verbesserungen haben sich im Übrigen eingestellt, obwohl ich sehr viel rauche.
Ich hab Dir das geschrieben, um Dir etwas Mut zu machen. Stecke Dir nicht zu hohe Ziele. Geh entspannt an die Sache heran. Dann gibt es vielleicht langsam auch Fortschritte.
Was ich noch ganz wichtig finde: Fall bloß nicht auf die Versprechungen in den Medien rein. Die gauckeln einem so viel vor, wie z.B. dass man nur in einer Partnerschaft glücklich sein kann, dass Sex das aller tollste auf der Welt ist und in jedem dummen Teeni-Film vögeln sie rum wie die blöden und sind ja alle so super happy!
Aber lass Dich bitte davon nicht verarschen!!!!! Schau Dich doch bei deinen Freunden, deinen Verwandten und Bekannten um! Wenn ich mir da ganz nüchtern betrachtet die meisten Beziehungen anschaue, dann bin ich wieder froh, dass ich wegen meines Problems noch Single bin

Aber mal ganz im Ernst. Ich bin weder pro, noch gegen Beziehung und ich sag auch nicht, dass Sex unwichtig ist. Aber es ist ein Irrglaube, dass jetzt alles scheiße ist, weil Du keinen Sex mit einer Freundin haben kannst und dass dann, wenn Du wieder Sex mit einer Frau haben kannst, alles supi duppi geil ist. Vergiss es. Das ist nur eine Projektion in die Zukunft.
Ich gebe es ganz offen zu, für mich ist dieses Problem auch nicht ganz einfach. Aber von der anderen Seite her betrachtet - warum bist Du oder ich krank? Wer bitteschön hat das Recht, dies zu definieren?
Der Mensch ist überaus schnell darin, dies und das als Krankheit zu definieren. Und dann versucht man, diese Krankheit zu heilen. Dabei ist dieser Versuch immer zum Scheitern verurteilt, weil man gar nicht krank ist, sondern nur der Definition einer anderen Person von Krankheit glaubt.
Du bist so, wie Du jetzt gerade bist, mit all deinen Fehlern und Schwächen, absolut perfekt und in Ordnung.
Überlege Dir mal, wie viele Krankheiten es auf der Welt gibt: Psychische Krankheiten, körperliche Krankheiten (alle möglichen Krebsarten, Bluthochdruck.......) Bin kein Mediziner, um diese alle aufzählen zu können, aber ich schätze mal, es gibt mindestens 100 Millionen verschieden definierte Krankheit und davon hat jeder Mensch auf dem Planenten mindestens 10 davon.
Vergiss diese blödsinnigen Unterscheidungen von krank und nicht krank und leb einfach.
Welcher Mensch ist denn nicht krank? Welcher Mensch hat denn nicht in dieser oder jenen Hinsicht einen Schuss.
Also ich kenn keinen, der "normal" ist.
Nur die Bauspar-Werbung im Fernsehen gaukelt Dir vor, dass es so etwas gibt.
Die Probleme, die wir haben, haben andere auch, nur in anderer Form.
Also entspann Dich.
Und ich persönlich würde Dir auch von einer Psychotherapie abraten. Habe ich auch schon hinter mir. Und seit ich sie abgebrochen habe, geht es mir wieder viel besser.
Da werden alle möglichen Gräben aufgemacht und Dir wird gesagt, was alles krank an dir ist und wie unglaublich viel in Deinem Leben schief gelaufen ist, beginnend schon im als kleiner Fötus im Mutterbauch. Und dann die ganzen Kinder-Traumatas. Oh Mann!!!! Vergiss es. Dir werden 1000 Krankheiten und Probleme vorgegaukelt und dann brauchst du 50 Jahre dafür, um diese zu überwinden.
Ein sehr guter Freund von mir ist im Übrigen Diplom-Psychologe. Das ist jetzt kein dummes Gerede, es stimmt wirklich.
Und er hat es mir gegenübner vor kurzem nach drei oder vier Bier selber zugegeben: Er hat an der Uni viel gelernt, Konzepte über Konzepte, Definitonen über Definitonen, aber leider nichts über das wirkliche Leben.
Die Realität ist eben anders als die Gedanken, die man sich darüber macht. Er selbst hat mir gesagt, dass er nicht beinflussen kann, ob sich bei seinen Patienten etwas zum positiven entwickelt oder nicht. Es passiert quasi automatisch, nicht wegen ihm, sondern trotz ihm.
Also Kopf hoch, entspann Dich, Millionen von Menschen haben mit ihren Partnern viel schlechteren Sex, als Du jetzt beim Pornoschauen

Jeder hat seinen Rucksack zu tragen, auch wenn jeder einen anderen Problemmix zu bewältigen hat.

Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft!
Viele Grüße
Leo